Freizeit und Unterhaltung: Promis, Stars und Sternchen. Neues aus Film und Kino. Veranstaltungen, Konzerte und Events. Highlights und Flops
English Français Español Svenska Česky 中文 日本語 Русский עברית weitere Sprachen

Diese Webseite ist in China gesperrt.


China Dossiers

Bild des Tages

Weitere Bilder des Tages ->

Epoch-Times-Fotowettbewerb

Weitere Wettbewerbsfotos ->

Sonderthemen

Artikel versenden | Leserbrief | Druckversion | Newsfeed

Gestatten: Joss Stone

Das Fräuleinwunder des britischen Souls mausert sich zur selbstbewussten Lady

Michael Loesl
AP
07.03.2007

Die britische Popmusikerin Joss Stone beim "Festival di San Remo" in San Remo, Italien, am 3. März 2007. Am 09. März 2007 erscheint ihr neues, drittes Album "Introducing: Joss Stone". (AP Photo/Luca Bruno)

Berlin – „Habe ich es wirklich verdient, mit meiner Musik im Radio präsent zu sein?“, fragt Joss Stone. Die Antwort gibt sie mit ihrem dritten Album „Introducing: Joss Stone“ (Virgin), das am kommenden Freitag (9.03.) erscheint. Aus dem Soul-Lehrmädchen, das bei Stevie Wonder, James Brown und Betty Wright in die Ausbildung ging, ist eine Meisterin ihres Fachs geworden. Sie hat sich verändert, ist selbstbewusster, selbstkritischer geworden.

Auch äußerlich. Inmitten ihrer Entourage, die durch das schicke Hotel Adlon in Berlin rast, ist sie nicht sofort wiederzuerkennen. An Stars mangelt es den Hauptstadt-Paparazzi während der Berlinale gewiss nicht. Trotzdem zieht die hochgewachsene Frau unweigerlich die Blicke auf sich. Doch bevor man dem hübschen Gesicht, den sinnlichen Augen, einen Namen zuordnen kann, ist die Gestalt auch schon wieder vorbeigerauscht, in der gleichen Geschwindigkeit, die auch jene Songs ihrer ersten beiden Alben um den Globus rotieren ließ.

Statt Sternenstaub bekam sie handfestes für die Zimmerwand retourniert: massenweise Gold- und Platin-Auszeichnungen. Damals war sie 15, jene Jocelyn Stoker, alias Joss Stone, die mit ihrem „The Soul Sessions“-Debüt als neues Wunderkind des Soul gefeiert wurde. Vier Jahre ist das her. Mit einer stimmlichen Reife und Größe, die unweigerlich an die Soul-Ikone Aretha Franklin erinnerte, wurde dem Mädchen aus dem englischen Devon allerorten eine Bilderbuchkarriere prophezeit.

Brav interpretierte sie zunächst alte, nicht jedem geläufige Nummern aus dem riesigen Soul-Fundus der frühen 70er Jahre. Mit ihrem zweiten Album, „Mind, Body & Soul“, wagte sie es, vorsichtig erstmals als Koautorin eigener Songs in Erscheinung zu treten. Regie führten indes freilich andere. Heute, rund sieben Millionen verkaufte Alben später und mit bald 20, ist aus dem Fräuleinwunder Joss Stone ein selbstbewusster Lady-Kracher geworden.

Die vornehme Ruhe des Adlon-Restaurants mit Blick aufs Brandenburger Tor wird gebrochen, wenn Miss Stones Stimme den Raum füllt. Die klingt nach mindestens zwei Päckchen Kippen pro Tag und feucht-fröhlich durchzechten Nächten. Falsch gedacht! Sie raucht nicht und außer einem Glas Wein hin und wieder trinkt sie keinen Alkohol. „Ich bin zwar rein physisch gesehen erst 19, aber Gott weiß, wie alt ich in diesem Kopf bin“, tippt sie sich grinsend auf eben jenen. Sie bestellt Vegetarisches. „Meine Eltern, die coolsten Hippies der Welt, haben mich fleischlos groß gezogen.“

Der süße Babyspeck, der sie noch zum Karrierebeginn polsterte, ist abtrainiert, die Mähne ein ganzes Stück kürzer, das Blond ist einem Violett-Pink gewichen. Früher hielt sie sich während Interviews regelmäßig kichernd die Hand vor den Mund. Als ob eine Schulkameradin gerade einen unanständigen Witz erzählt hätte. Neuerdings umarmt sie einen vor dem Gespräch, delegiert souverän den Kellner, findet das in unmittelbarer Nähe dinierende Bürschchen „heiß“ und gesteht, auf ihr neues Album, „Introducing : Joss Stone“, richtig stolz zu sein. Auch das ist neu. Bislang fand sie ihre Musik immer lediglich „okay“. Heute weiß sie, was sie kann.

„Ich gebe den Ton an“

Die Erleuchtung kam ihr auf Barbados. Urlaub machte sie dort, als ihr klar wurde, dass sie für sich selbst zu kämpfen hatte. Das neue Album habe seit fünf Jahren in ihrem Kopf gegärt, erzählt sie. Aber es sich materialisieren zu lassen, brauchte den entscheidenden Schritt. „Worauf hätte ich bei meinen ersten beiden Platten stolz sein können? Ich befolgte die Anweisungen meiner Produzenten. Inzwischen gebe ich den Ton an und fühle mich endlich als vollwertige Künstlerpersönlichkeit.“ Zuvor feuerte sie ihr Management, handelte ihren Plattenvertrag selbst neu aus und konnte schließlich ihrem Produzenten-Team den Laufpass geben. Leicht sei ihr das alles nicht gefallen, aber lohnenswert sei es allemal gewesen, sagt sie.

Das kann man nun hören. Soulfulness bis in die gefärbten Haarspitzen besitzen ihre 15 neuen Eigenkompositionen. Stimmlich wächst die bald 20-jährige über sich selbst hinaus, lässt hammerharten Funk um ihren Seelengesang kreisen, positioniert mit einem Mix aus jazzigen Retro-Sounds und Gästen wie Lauryn Hill und der Rap-Alternative Common ihre Soul-Revue in der Neuzeit. Wenn sie in „Girl, They Won't Believe It“, zum beseelten Chorgesang im Kontext von klassischem Motown-Soul ansetzt, lässt sie mit ihrer gesanglichen Wucht die Supremes wie blasse Sirenchen während eines Probealarms aussehen.

Keine Frage, hier befindet sich jemand auf einer mitreißenden Mission. „Mir geht dieses lauwarme Zeug auf die Nerven, das man heutzutage Soul oder R&B nennt. Im R&B höre ich fast keinen Rhythmus mehr – von Blue Notes ganz zu schweigen. Musik ist die größte Liebe meines Lebens und ich habe mir geschworen, meinen Teil zu ihrer Rettung beizutragen.“ Das scheint nicht unmöglich für eine Musikerin, die mit ihrem neuen Album den Schritt von der mittleren Reife zur Soul-Professur hinlegt.

 

(AP)

 

Bookmark setzen:   Webnews yigg Tausendreporter Wikio BlinkList Mister Wong


 

Was sind das für grüne Links?