London – Viele alte Menschen nehmen blutverdünnende Medikamente wie etwa Aspirin in der Hoffnung ein, damit einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu verhindern. Aber die präventive Einnahme solcher Präparate, die das Blutungsrisiko erhöhen, kann gefährlich sein, wie eine große britische Untersuchung zeigt. Demnach hat der zunehmende Gebrauch von Blutverdünnern in den vergangenen Jahrzehnten in der Altersgruppe über 75 Jahren zu einem Anstieg der Todesfälle durch Hirnblutungen geführt.
Die Neurologen der Universität Oxford untersuchten zwischen 1981 und 2006 die Entwicklung hämorrhagischer Schlaganfälle. Diese entstehen nicht wie die häufigeren ischämischen Hirninfarkte durch einen Gefäßverschluss, sondern durch eine Blutung im Gehirn. Zwar nahm in den untersuchten 25 Jahren die Zahl jener hämorrhagischer Schlaganfälle, die mit Bluthochdruck verbunden waren, deutlich ab. Aber in der Altersgruppe über 75 Jahren blieb die Zahl der Hirninfarkte fast konstant.
Die Forscher führen dies im Fachblatt „The Lancet Neurology“ zumindest teilweise auf die Einnahme blutverdünnender Mittel zurück. Während Anfang der 80er Jahre nur vier Prozent der Schlaganfall-Patienten solche Präparate einnahmen, lag der Anteil nach dem Jahr 2000 bei 40 Prozent. Möglicherweise könne die Einnahme solcher Medikamente bald Bluthochdruck als größten Risikofaktor für hämorrhagische Schlaganfälle ablösen, mahnen die Mediziner.
Zwar könnten blutverdünnende Medikamente bei Patienten mit Herzkreislauf-Erkrankungen zweifellos das Risiko für ischämischen Schlaganfall und Herzinfarkt verringern, heißt es weiter. Gesunde ältere Menschen ohne Herzkreislauf-Erkrankungen sollten jedoch beim Gebrauch solcher Präparate vorsichtig sein.
(Quelle: „The Lancet Neurology“, Online-Vorabveröffentlichung) (AP)
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