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ARCHITEKTUR UND STÄDTEBAU

Siedlungen der Berliner Moderne sind Weltkulturerbe

UNESCO beschließt Aufnahme in Liste – Einfluss auf Architektur und Städtebau

AP
07.07.2008

Blick auf ein Gebäude des Architekten Hans Schorun in der Siemensstadt im Bezirk Spandau. Die Siemensstadt ist eine von sechs Siedlungen aus den 1920er Jahren, die von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen worden sind. (AP Photo/Markus Schreiber)
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Berlin – Sechs Berliner „Siedlungen der Moderne“ sind von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen worden. Das teilte die Deutsche UNESCO-Kommission am Montag in Bonn mit. Die sechs denkmalgeschützten Siedlungen repräsentierten einen neuen Typus des sozialen Wohnungsbaus aus der Zeit der klassischen Moderne und hätten beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung von Architektur und Städtebau ausgeübt, hieß es zur Begründung.

Die „Reformsiedlungen“ entstanden in den Jahren 1913 bis 1934. Zu ihnen zählen die sogenannte Weiße Stadt, die Gartenstadt Falkenberg, die Siedlung Schillerpark, die Hufeisensiedlung Britz, die Wohnstadt Carl Legien sowie die Großsiedlung Siemensstadt. Neben Bruno Taut, Hans Scharoun und Walter Gropius waren Architekten wie Otto Bartning, Hugo Häring, Martin Wagner und Heinrich Tessenow beteiligt.

Mit der Neuaufnahme der Siedlungen ist Deutschland jetzt mit 33 Stätten in der UNESCO-Liste des Welterbes vertreten. Berlin hatte mit der Museumsinsel und den Preußischen Schlössern und Gärten bereits zwei Stätten in der Liste. Das Welterbekomitee tagt bis zum 10. Juli in Quebec in Kanada.

Hocherfreut und stolz auf die Auszeichnung reagierten die in einer „Initiative Welterbe“ zusammengeschlossenen Eigentümer der Siedlungen und der Berliner Landeskonservator Jörg Haspel. „Dass die Entscheidung der UNESCO positiv ausgefallen ist, liegt neben der Einzigartigkeit der Siedlungen und dem Umstand, dass sie in der Welterbeliste eine Lücke schließen helfen, auch in der breiten Unterstützung, die der Antrag aus ganz Deutschland erfahren hat, begründet“, sagte Haspel. Ausdrücklich dankte er den Wohnungsunternehmen für ihr Engagement. „Als Eigentümer ist es unsere Pflicht, uns der Verantwortung für diese bedeutenden Kulturgüter zu stellen und das charakteristische Gesicht der Baudenkmäler zu erhalten“, sagte der Leiter Unternehmenskommunikation der Deutsche Wohnen AG, Bernhard Elias.

Wohnungen auch heute begehrt

Anfang der 20er Jahre fehlten in Berlin 130.000 Wohnungen. Die, die es gab, waren häufig dunkel, eng und feucht. Die Weimarer Verfassung garantierte jedoch „jedem Deutschen eine gesunde Wohnung“. Zusammen mit der Avantgarde aus Kunst und Architektur versuchte die Politik, ihre sozialpolitischen Utopien umzusetzen. So schufen Architekten wie Taut, Gropius und Scharoun funktionale, schlichte Wohnanlagen.

Anders als in den Mietskasernen des 19. Jahrhunderts waren in den avantgardistischen Berliner Sozialbauten Bad, Toilette und Zentralheizung Pflicht. Die Grundrisse orientierten sich am Ideal der Kleinfamilie, es gab getrennte Zimmer für Wohnen und Schlafen, es gab Balkon oder Loggia. Düstere Hinterhöfe gehörten der Vergangenheit an, die Anlagen waren hell und hatten Grünanlagen. Zudem war das Ganze erschwinglich, Wuchermieten waren tabu.

Die klaren Formen und Strukturen waren wegweisend für die Baumeister des 20. Jahrhunderts. Zeilenkonzepte ersetzten die Blockbebauung. Vor allem Taut setzte Farbakzente. Häufig waren in die Siedlungen auch Einkaufsläden, Cafes, Arztpraxen integriert. Berlin wurde so zur Metropole des modernen Städtebaus.

Die Siedlungen sind auch heute noch begehrt. Immer mehr junge Familien zögen in die mittlerweile größtenteils sanierten Quartiere, meldete die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Rund 10.000 Menschen leben momentan hier. Die Wohnungen sind heute häufig in Privatbesitz.

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/

http://www.initiative-welterbe.de/

http://www.unesco.de/ (AP)

 

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