Toyako – Die G-8 will noch enger mit den fünf wichtigsten Schwellenländer kooperieren. Eine Erweiterung der Gruppe führender Industriestaaten um Länder wie China oder Indien ist dagegen zunächst vom Tisch.
Beim Gipfeltreffen im japanischen Toyako verständigte sich die Gruppe der Acht darauf, die Beratungen mit der sogenannten G-5 der Schwellenländer im nächsten Jahr auf einen vollen Tag auszubauen. Damit werden China, Indien, Südafrika, Brasilien und Mexiko an mehr als einem Drittel des Gipfels teilnehmen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte die Entscheidung. „Ich finde das sich jetzt ergebende Format geradezu ideal, weil es uns alle Freiheiten lässt“, sagte sie. Zwar könne die G-8 viele Probleme nicht mehr ohne Länder wie China oder Indien lösen. Man müsse aber aufpassen, „dass die G-8-Gruppe sich nicht verwässert“. Bestimmte Dinge müssten zunächst im kleinen Kreis besprochen werden. Dazu zählten der Klimaschutz und der Schutz des geistigen Eigentums.
Bereits seit Jahren Forderungen nach Erweiterung
Der G-8 gehören neben Deutschland die USA, Japan, Kanada, Russland, Frankreich, Großbritannien und Italien an. Beim Gipfel 2007 in Heiligendamm wurde ein Dialogprozess mit den fünf wichtigsten Schwellenländern eingeleitet, der zunächst auf zwei Jahre befristet ist. Im nächsten Jahr soll beim Gipfel in Italien über eine Fortsetzung entschieden werden.
Am Mittwochmorgen kamen G-8 und G-5 in Toyako zu einer einstündigen Arbeitssitzung zusammen. Anschließend stießen Indonesien, Südkorea und Australien zu Verhandlungen über den Klimawandel hinzu.
Forderungen nach einer Erweiterung der G-8 gibt es seit Jahren. Bereits 2004 machten der damalige britische Premierminister Tony Blair und Bundeskanzler Gerhard Schröder einen entsprechenden Vorstoß. Vor dem Gipfel in Japan wurde die Erweiterungsdebatte vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy angestoßen, der sich aber letztlich mit der vereinbarten längeren Gesprächszeit zufrieden gab.
China bereits viertstärkste Wirtschaftsmacht
Würde sich die Mitgliedschaft in der Gruppe der wichtigsten Industrienationen alleine nach der Wirtschaftskraft richten, hätte China längst in die G-8 aufgenommen werden müssen. Das „Reich der Mitte“ liegt in einer IWF-Rangliste der stärksten Wirtschaftsmächte inzwischen auf Platz vier, knapp hinter Deutschland. Kanada, das bevölkerungsmäßig schwächste G-8-Mitglied, liegt nur noch auf Platz neun, Russland wird von Brasilien auf den elften Platz verwiesen. Dahinter lauert Indien.
In den Ländern der G-5 leben 43 Prozent der Weltbevölkerung, die 21 Prozent der kaufkraftbereinigten Weltwirtschaftsleistung erbringen. Die Gruppe der Acht bringt es laut Institut der deutschen Wirtschaft auf 13 Prozent der Weltbevölkerung, aber 47 Prozent des Weltsozialprodukts. (AP)
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